„Aber wenn wir sowieso nur im Sommer hinfahren?“


Eine ungarische Mutter hat mir vor kurzem erzählt, dass eine Freundin ihrer 8-jährigen Tochter, mit der sie außer Ungarisch auch andere gemeinsame Sprachen haben, es vorzog nicht Ungarisch zu sprechen mit der Ausrede, dass sie sowieso nur im Sommer nach Ungarn reisen.

Wie bewertet man denn eine Sprache? Stark verbreitet ist die Meinung, dass das Prestige einer Sprache von der Sprecheranzahl abhängt, je höher sie ist, desto besser wird sie angesehen. Wirtschaftliche Faktoren spielen auch eine wichtige Rolle. Gibt es jedoch andere, vielleicht sogar wichtigere Kriterien, die man in Betracht ziehen sollte, um den Wert einer Sprache festzustellen?  

Jede Sprache ist wertvoll, das sollte uns allen bewusst werden, da uns jede eine unterschiedliche Perspektive unserer Welt anbietet. Einige geben mehr Acht auf zeitliche Elemente, andere hingegen auf die Beschreibung der Bewegungen, Ausdrücke und Metaphern, die auf jeder Sprache variieren, bringen zusätzlich neue Aspekte unserer Umgebung oder unseres Lebens zum Vorschein.  Die Möglichkeit, Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln zu sehen, spornt die Kreativität an und erhöht unsere Denkfreiheit, da wir zwischen verschiedenen Optionen und von Kulturen bedingten Denkweisen wählen können. Letzten Endes ist es irrelevant, ob eine Sprache “praktisch” ist oder nicht, weil uns alle die Möglichkeit bieten, die Welt immer wieder neu zu entdecken. 

Andere Vorteile sind, dass sie beim Erwerb einer neuen Sprache mitwirken. Wenn wir nämlich neue Sprachen lernen, müssen wir uns nicht nur die jeweilige Grammatik und den Wortschatz aneignen, sondern auch die Lernmethode, die dabei verwendet wurde. Daher ist zu betonen, dass die didaktische Leistung jedes Lehrers und aller, die an diesem Prozess teilnehmen, für einen erfolgreichen Spracherwerb unerlässlich sind. Hierbei sind nicht nur die Fremdsprachenlehrer, sondern auch die Muttersprachenlehrer gemeint. Manche erwachsenen Schüler geben zu, dass sie sich nicht einmal auf ihrer Muttersprache klar an die Wortarten erinnern, so haben sie beispielsweise Schwierigkeiten Verben von Nomen zu unterscheiden.  Ein Mangel an grammatikalischem Wissen in der eigenen Muttersprache benachteiligt also das Erlernen neuer Sprachen, aber je bessere Sprachkenntnisse eine Person besitzt, desto höher sind ihre Chance eine Zweite zu erwerben. Und je besser es zwei spricht, desto einfacher kommt sie bei der Dritten voran usw.

Wichtig sind auch kulturelle Unterschiede, die die Art und Weise betreffen, wie man seine Muttersprache lernt. Ungleichheiten gibt es zum Beispiel in der Unterhaltung, ob hierbei also die gesprochene Sprache im Vordergrund steht oder ob Bücher, die neue didaktische Wege schaffen, schon früh in den Lernprozess einbezogen werden. Zwar gibt es weitere Unterschiede, aber was ich ausdrücklich bemerken will, ist, dass diese Faktoren das Erlernen von Fremdsprachen beeinflussen.

Zusammenfassend sind also alle Sprachen gleich wertvoll, da sie nicht nur neue Ansichtspunkte anbieten und nicht nur das zählt, was man lernt, sondern auch, wie und wie effizient man es lernt, da dies den Erwerb von neuen Sprachen deutlich erleichtert.

 


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